18.12.2011 Zurück zur News-Übersicht

4. Advent


Die Nacht vor dem heiligen Abend,

da liegen die Kinder im Traum;

sie träumen von schönen Sachen

und von dem Weihnachtsbaum.


Und während sie schlafen und träumen,

wird es am Himmel klar,

und durch den Himmel fliegen

drei Engel wunderbar.


Sie tragen ein holdes Kindlein,

das ist der Heil’ge Christ;

es ist so fromm und freundlich,

wie keins auf Erden ist.


Und wie es durch den Himmel

still über die Häuser fliegt,

schaut es in jedes Bettchen,

wo nur ein Kindlein liegt,


und freut sich über alle,

die fromm und freundlich sind;

denn solche liebt von Herzen

das liebe Himmelskind.


Wird sie auch reich bedenken

mit Lust aufs allerbest’

und wird sie schön beschenken

zum lieben Weihnachtsfest.


Heut schlafen noch die Kinder

und sehn es nur im Traum,

doch morgen tanzen und springen

sie um den Weihnachtsbaum.


Robert Reinick 1805 – 1852

Christkind kommt


Ihr Wolken, hemmt den raschen Lauf,

Ihr Sterne, flimmert sacht!

Leis geht das Tor des Himmels auf

In dieser heil’gen Nacht.

O Meer, erbrause hoch und laut,

Ihr Berge, neigt das Haupt

Vor dem, nach dem ihr alle schaut,

An den ihr alle glaubt.


Des Waldes Wipfel, neiget euch!

Verstreuet rings den Ruf,

Ihr Lüfte, Felsen, beuget euch!

Es naht, der euch erschuf.

Nur eins, nur eins liegt starr und tot,

Verachtet, Herr, Dein Licht -

Das Menschenherz in seiner Not

Und Nacht erkennt Dich nicht!


Verlassen steht Dein Bethlehem,

Verwaist der Liebe Thron,

Es führt zu breit und zu bequem

Der Weg nach Babylon.

Hier lockt mit ihren Schätzen all

Frau Welt, so weich, so lind:

Wer denkt noch an den armen Stall,

Ans allerärmste Kind?


Den Engelsang, den überbraust

Der Wollust Symphonie:

Der Sänger Saiten schrill durchsaust

Des Goldklangs Melodie.

Die ehre feil, der Glaube feil

Um schnöden Judaslohn;

Die Welt, die sucht ein andres Heil

Als Dich, der Jungfrau Sohn!


Drum fliehst Du aus der Städte Schwall

Zur armen Hirtenschar,

Dort grüßt Dich noch ein leiser Schall

Vom Glück, das einstens war:

Vom Glück, das einstens schimmernd lag

Auf einer gläub’gen Welt,

Vom Glück, das finstre Mächte Schlag

Uns neidisch hat zerschellt.


Umsonst! – Die Welt, so klug und alt,

Stürmt fort im Luftgebraus,

Ihr Tannenbaum glänzt leer und kalt,

Dich, Christkind, trieb sie aus!

So komm, Du Kindlein wunderbar

Zu uns ins Hirtenzelt,

Ach – klein und arm ist unsre Schar -

Auch uns verstieß die Welt!


O komm vom hohen Himmel her

Zu uns in heil’ger Nacht;

Hellfunkelnd steht der Sterne Heer,

Lautlos der Berge Macht.

Des Meeres Orgel braust und klingt,

Stumm liegt die Erde da,

Doch eine Engelstimme singt

Ein helles Gloria!

Autor: Franz Eichert